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Bottega Vignoli

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Im Grunde herrschte in Faenza über Jahrhunderte hinweg ein ganz schönes Kuddelmuddel. Zunächst war das kleine, italienische Städtchen ein Teil des Byzantinischen Reichs, dann sahen sich die Einwohner durch Horden des ostgotischen Königs Totila umzingelt. Es folgten Bischöfe, eine selbstherrliche Adelsfamilie und schließlich die Belagerung durch Cesario Borgia

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Wie auch immer. Niemand kann sagen, wann und mit wem genau die maurische Kunst der Scherben-Veredelung nach Faenza gelangt ist. Es mag an den guten Kontakten der Gemeinde nach Florenz gelegen haben. Oder auch an der siegreichen Armee der Republik Venedig, die das schmucke Örtchen um 1500 im Handstreich raubte. Hier jedenfalls beginnt die Legende. 

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Denn in eben diesen Tagen (1480 bis 1490) wurden in Faenza die allerersten Werkstätten gegründet, die sich mit der Produktion von Majolika beschäftigt haben. ›Majolika‹ bezeichnet eine ganz spezielle, in prächtigen Farben und mit einer Unterglasur ausgeführte Tonware. Der Name stammt von der Insel ›Mallorca‹ ab – was daran liegt, dass eine Vorform dieser Kunst aus Spanien stammt und die Italiener wohl immer über dem Umweg von Mallorca erreichte. 

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Doch in Italien wurde nicht einfach nur kopiert, was persische oder mesopotamische Gastarbeiter im islamisch-dominierten Spanien zu einem Exportschlager gemacht hatten. Vielmehr kombinierte man die höchst aufwendige Technik einer schillernden Zinnlasur mit eigenen Erfahrungen und einer innovativen, mitunter auch überraschenden Malerei. 

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Kaum ein europäisches Adelshaus, das sich nicht mit den weiß-bunten Prunkstücken aus Norditalien schmücken wollte. Vor allem die Franzosen galten als unbeirrbare Sammler der metallisch glitzernden Tonware, weshalb der Ortsbegriff ›Faenza‹ auch schnell zum Synonym für diese neue Kunstgattung geriet – Majolika tragen seither auch den Namen ›Fayencen‹.

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Nun ist das natürlich alles sehr lange her und wer würde sich schon um eine 600 Jahre alte Produktionsart kümmern – gäbe es da nicht Entdeckungen wie Ivana und Saura Vignolli.

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Den beiden Schwestern ist es zu verdanken, dass immer mehr Sammler wieder begierig nach Faenza fahren. Basierend auf den alten Traditionen haben sie in 40 Jahren eine Formsprache entwickelt, die das gesamte Genre mühelos erfrischt. Dicht gepackte Sardinen tummeln sich hier, aber auch byzantinische, römische sowie islamische Themen. Eben: die ganze Geschichte. 

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Virtuos mischen sie dabei alte und innovative Techniken. Zunächst erhält der gebrannte  Terrakotta – wie eh und je – einen Überzug aus Zinnmasse. Die rosafarbene Oberfläche wird dadurch weiß und kann anschließend dekoriert werden. Allerdings setzen die Geschwister dafür nicht nur Staub aus Metalloxiden ein, sie experimentieren auch mit Alkohol oder Zucker. 

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Und das hat Künstler aus aller Welt auf die eher unscheinbare Werkstatt am nördlichen Stadtrand von Faenza natürlich sehr schnell aufmerksam gemacht. Mario Pezzi stand unter anderem für eine Zusammenarbeit zur Verfügung. Oder auch Jorrit Tornquist. Und trotzdem erachten die Schwestern es als wichtig, die handwerkliche Ausrichtung der ›Bottega Vignoli‹ zu betonen. Ihnen liegt nicht nur die Kunst am Herzen. Auch handfeste Serie gehören dazu. 

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Und deshalb ist es auch egal, ob man eine kleine, irisierende Schale oder ein blau-weißes Wunderwerk aus limitierter Auflage besitzt – Vignoli bleibt Vignoli. Gerade erst 2016 wurden Saura und Ivana in das Goldene Buch der italienischen Handwerkskunst mit aufgenommen. Sie beliefern feine Adressen von New York bis Hamburg. Und übrigens auch Christian Dior.

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