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Hans J. Wegner

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Es ist nicht nur der Stuhl, es ist seine Geschichte. Im Jahr 1949 startete Hans J. Wegner die Entwicklung von gleich vier neuen Sitzmöbeln. Darunter der CH23, ein simpler und praktischer Stuhl ohne Armlehnen, der allerdings eine ganze Reihe handwerklicher Trümpfe aufwies. 

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Dazu gehörte die leicht federnde Sitzfläche, die aus einer 135 Meter langen Papierkordel in penibler Handarbeit geflochten wurde. Schnell erwies sich der CH23 als Bestseller. Er passte unter jedem Esstisch – und er passte zum Lebensgefühl der frühen 50er Jahre. Was für die drei anderen Stühle, die Wegner im gleichen Atemzug exklusiv für Carl Hansen & Søn entworfen hatte, nur bedingt galt. Diese waren einfach zu gewagt, zu ungesehen. Kurz: unverkäuflich.  

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Doch das änderte sich, nachdem der ›Wishbone Chair‹ in den Vereinten Staaten zu einem Schmuckstück der Avantgarde geriet. Anfang der 60er Jahre schwappte die Begeisterung der Amerikaner nach Europa zurück, so dass der CH24 auch hierzulande im Bewusstsein stieg. Bis heute gilt dieser Esstischstuhl, der mit seiner Rückenlehne an eine Wünschelrute erinnert und in mehr als 100 Arbeitsgängen hergestellt wird, als Speerspitze des skandinavischen Designs. 

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Der CH23 hingegen, der seine Karriere so furios begann, schien unter den wachsenden Erfolgen seiner Quartett-Kollegen langsam zu verblassen. Mitte der 60er ging er aus der Produktion. 

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So schmolz das einstige 4er-Paket, das gleichzeitig auch die erste Zusammenarbeit zwischen Wegner und dem dänischen Traditionsunternehmen markierte, zu einem schnuckeligen 2er-Paket zusammen. Lediglich der berühmte ›Wishbone Chair‹ und der kaum weniger berühmte CH25 (Bild oben) blieben bei Carl Hansen & Søn über die Jahrzehnte hinweg ununterbrochen in der Fertigung. Vor allem aber: alle vier Entwürfe veränderten das Gespür der Welt für Design. 

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Denn Wegner verschmolz Natur und Handwerk zu Linien von schier makelloser Perfektion. Nicht wenige werden deshalb aufgehorcht haben, als Knud Erik Hansen die Re-Edition der ausrangierten Stühle ankündigte. Und nicht nur das. Beim Durchforsten der Archive war der Chef des Familienbetriebes, der das Haus bereits in 3. Generation führt, auf eine Sensation gestoßen. Neben dem CH22, der seinerzeit ebenfalls in einen Dornröschenschlaf verfiel, hatte Wegner auch eine schmalere Variante dieses fast vergessenen Lounge-Stuhls entwickelt. Dieses fünfte Modell, das noch nie produziert wurde, wandert nun als Trouvaille mit ins Programm. 

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Womit das Debüt von Hans J. Wegner erstmals wieder in seiner alten, sogar noch erweiterten Stärke verfügbar ist. Von links nach rechts im Bild: CH25, CH22, CH26, CH23 und CH24. 

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Nur ein paar Woche brauchte Hans J. Wegner, um diese fünf Meisterstühle in die Welt zu zaubern. Er arbeitete direkt vor Ort in den Werkshallen seines Auftraggebers und soll, wie es heißt, die Handwerker auf die Palme getrieben haben. "Wegner überwand die Grenzen dessen, was mit Holz als möglich erachtet wurde", weiß Knut Erik Hansen. Die Entwürfe des großen Dänen gelten als radikal sowie stilprägend – und versprühen trotzdem eine Wärme. Weit über 500 sehr bequeme Stühle gehen auf das Konto des gelernten Tischlers. Man findet sie in Museen und kunstvollen Sammlungen. Oder wahlweise auch gleich in der hübschen Villa nebenan.

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