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Womb Chair

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Natürlich ist der Name ›Knoll‹ in der Welt des Designs berühmt. Aber gelegentlich kommt man ja doch durcheinander, ob es nun eine deutsche, amerikanische oder gar italienische Firma ist. 

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Also nun einmal alles ordentlich auseinandergenommen. 

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Die Geschichte beginnt in Stuttgart, wo Hans Knoll in eine Möbel-Dynastie hinein geboren wurde. Schon sein Großvater hatte es mit Ledermöbeln zum Hoflieferanten gebracht. Sein Vater – Walter Knoll – puzzelte dagegen über Jahre hinweg an eigenen Unternehmungen in den USA, die nur bedingt florierten. Dann 1921 schuf er in Stuttgart die bis heute existierende Nobel-Marke ›Walter Knoll‹. Er war der erste Fabrikant weltweit, der Bauhausmöbel in Serien produzierte. 

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So wuchs Hans Knoll in einem Zuhause auf, in dem die gestalterische Hautevolee seiner Zeit praktisch ein und aus ging. Mit gerade Zwanzig schmiss er die Schule, um eine kaufmännische Ausbildung zu beginnen. Nur wenig später, 1938, übersiedelt er nach New York — und es traf sich gut, dass er hier an die Kontakte seines Vaters anknüpfen konnte. Viele große Designer, etwa Mies van der Rohe und Marcel Breuer, waren Ende der 30er Jahre in die USA emigriert. 

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Doch die wichtigsten Impulse für den Aufstieg der unabhängig agierenden Firma ›Knoll Associates‹ setzte Florence Schust, die Hans Knoll im Jahr 1946 ehelichte. Das Paar erwarb Lizenzen an Bauhausdesigns und setzten Möbelstücke von jungen, damals unbekannten Designern hinzu. Viele davon kannte Florence Knoll aus dem Architektur-Studium – so auch Eero Saarinen, den sie in den 40er Jahren »zu einem Stuhl voller Kissen« ermunterte. 

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Eero Saarinen hatte zu diesem Zeitpunkt gerade museumsreife Erfolge mit Gestaltungen aus Schichtholz eingefahren, die auf einer Zusammenarbeit mit Charles Eames basierten. Auch der neue Kuschelsessel (englisch womb = Mutterschoß) sollte deshalb aus diesem Material gefertigt werden, was sich allerdings als nicht machbar herausstellte. Nach langer Forschung entstand eine technische wie auch formale Revolution – der erste Stuhl aus einer flexiblen Kunststoffschale. 

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Für diese Konstruktion, bei der nicht zuletzt die Verbindung der filigranen Stahlfüße mit der fieberglasverstärkten Kunststoffschale eine Hürde darstellte, erhielt Saarinen ein Patent. Für ›Knoll Associates‹ (inzwischen: Knoll International) ist der Womb Chair auch heute noch ein Erfolg, der den Ruf des US-Zweigs der Knoll-Familiengeschichte mitprägt. Die Arbeit an dieser Ikone der Moderne begann übrigens im Jahr 1947 – doch ein gutes Zeichen für 2017, oder?

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