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Mond & Sichtbeton

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Arno Brandlhuber ist das Enfant Terrible der Berliner Architekturszene. Sein jüngstes Projekt, eine ehemalige Trikotagen-Fabrik aus DDR-Beständen, ist ein Gesamtkunstwerk und gleichzeitig ein Statement gegen den Dämm-Wahnsinn. Die Antivilla, chic gelegen am Krampnitzsee bei Potsdam, verwirklicht Nachhaltigkeit mit den Mitteln des beton brut

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Auf dem Grundstück hätte Brandlhuber auch drei Einfamilienhäuser mit jeweils 150 qm Fläche bauen können. Aber wozu? Warum sollte er ein bestehendes Gebäude, in dem so viele Rohstoffe (und somit Energien) stecken, mit weiterer Energie abreißen und mit noch mehr Energie wieder aufbauen. Brandlhuber ist Recycling-Realist und bevorzugt die Umnutzung. 

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Nun hat er eine Villa, die gut 500 qm umfasst. In der Mitte des Hauses befindet sich ein Betonkern mit Küche, Bädern und einer Sauna. Letztere fungiert dabei als Heizofen. Trennwände gibt es nicht. Wird es draußen kalt, zieht man einfach einen leichten Vorhang um den inneren Teil der Wohnung. Nahe an der Sauna ist es dann mollig warm, während die kalte Luft durch den Vorhang zuverlässig in den äußeren Teilen der Loft-Etage gehalten wird. »Wir wohnen mal größer, mal kleiner«, erläutert Brandlhuber. An kalten Wintertagen eben einfach nach dem Prinzip: gute Stube. 

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Geschlämmter Putz aus alten DDR-Tagen ist das zentrale Gestaltungselement der Antivilla. „Ich bin ein großer Fan der Betongemütlichkeit“, erklärt Brandlhuber, der in seinen Bauten immer auch die Authentizität des ursprünglichen Objekts zu verdeutlichen sucht. Kunstwerke gibt es in dem Atelier- und Wohnhaus zuhauf. Dazu grazile Lampen aus Bronze und Acryl. Und auch der einzige Teppich des Hauses – ein Objekt mit dem Namen Shallow Luna – verdient genauer Betrachtung. Wurde er doch, wie praktisch alles in der Antivilla, exakt auf das Projekt zugeschnitten. 

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Shallow Luna wurde von ›Reuber Henning‹ entworfen. Seit 2007 am Markt, zählt das Berliner Unternehmen schon heute zu den ersten Adressen für handgeknüpfte Teppiche.

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Form und Farbe des Teppichs zitieren die Oberfläche des Krampnitzsees, er erinnert zugleich an den Mond, der nachts in das Innere der kuscheligen Villa scheint. Das in Nepal handgeknüpfte Objekt besteht zu 65 Prozent aus tibetischer Hochlandwolle und zu 35 Prozent aus chinesischer Seide. Shallow Luna operiert als eine Art ›Naturelement‹ zwischen den groben Sichtbetonwänden und der minimalistischer Einrichtung der Antivilla. Sein Durchmesser beträgt 4,8 Meter.

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Shallow Luna liegt direkt vor einem der großen Panoramafenstern. Diese Sichtlöcher sind das Ergebnis einer Party, bei der Freunde des Architekten mit dem Vorschlaghammer anrückten, um in einem ›künstlerischer Akt‹ die Fernsicht aus den Außenwänden zu hauen. So sitzt man heute auf dem seidenweichen Teppich von ›Reuber Henning‹, blickt auf den See hinaus und erlebt dabei das rohe Mauerwerk, das einst von Lehrlingen angelegt wurde. Infos: hier. Wirklich sehenswert ist außerdem das Video, das ›Freunde von Freunden‹ ins Netz gestellt haben. Brandlhuber live! 

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