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ECART PARIS

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Gewagt, schon damals ... Als Andrée Putman im Jahr 1978 ihr Unternehmen ›Ecart Paris‹ gründete, lagen eine Reihe schwerer, wenn nicht sogar zermürbender Tage hinter ihr.  

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Ein paar Monate zuvor hatte sie sich von ihrem Mann, dem Redakteur und Kunstsammler Jacques Putman getrennt. Jahrelang war das Ehepaar ein schillernder Teil der Kultur-Elite von Paris gewesen. Größen wie Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir gehörten zu ihren engsten Freunden, aber auch Juliette Gréco und Alberto Giacometti trafen sie oft im Café de Flores.

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Nun saß Andrée Putman, die zu diesem Zeitpunkt immerhin 53 Jahre zählte, in einem fast leergefegten Appartement. Eingerichtet lediglich mit einem Bett und zwei schlichten Lampen. »In völliger Askese«, erklärt sie später, »weil ich einfach nicht mehr wusste, was ich mag.«

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Doch als sie ihre Klause verließ, stand das Vorhaben. Und so begann für die ›große Diva des französischen Designs‹ eine Karriere, die sie selbst kaum erwartet hatte. »Mein ganzes Streben lag darin, die Aufmerksamkeit von mindestens 10 Personen zu gewinnen. Wenn ich dies schaffe würde, wenn ich 10 Personen begeistere, dann ist etwas erreicht, was ein Leben lang trägt.«

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Doch es wurden nicht nur 10 Menschen, es wurden tausende. Putman beschloss, längst verschollene Designs der 20er und 30er Jahren wieder in die Welt zu heben. Über ihre neue Firma ›Ecart‹ lieferte sie Re-Editionen, die ebenso elegant wie radikal-puristisch waren. 

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Ihre Wiederentdeckungen präsentierten wichtige Designer, die man zwar kannte, deren Objekte aber trotzdem seit langem außer Gebrauch standen. Arbeiten von Jean-Michel Frank sowie Pierre Chareau gehörten dazu. Ebenso wie die provokant-poetischen Designs von Michel Dufet, Mariano Fortuny oder Eileen Gray. Hier sehen Sie 12 Stücke aus dieser Re-Edition. 

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Radikale Denkweisen, eine schlicht-elegante Formsprache und luxuriös-natürliche Materialien prägten von nun an den Stil, der unter dem Markennamen ›Ecart‹ um die Welt gehen sollte. 

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Und plötzlich war Putman überall gefragt. Die hochgewachsene Propagandistin einer neuen Sensibilität, die ihre Wurzeln ursprünglich in der Musik, dem Schreiben und der Mode besaß, wurde mit Interieur-Projekten aus allen Himmelsrichtungen betraut. Gleich ihre erste Aufgabe, nämlich das Hotel Morgans in New York, geriet zu einem Prestige-Objekte der mutigen Art. 

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Mit grandiosen, optischen Effekten verwandelte sie das vergleichsweise schmale Budget ihrer Auftraggeber in Räume von poppig-extravaganter Gastlichkeit. Sie hatte damit das Prinzip des ›Boutique-Hotels‹ geboren. Und es dauerte auch nicht lange, bis ihre Ideen von anderen kopiert wurden. Nur nicht von Andrée Putman selbst – denn die Autodidaktin wiederholte sich nie. 

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Ob ein Sternehotel an den Fuji-Seen, eine Privatvilla in Tangier oder ein Spa in München – Putman stürmte von einem Projekt zum anderen. Sie kümmerte sich um das neue Büro des französischen Kultur-Ministers, entwarf die Innenausstattung für ein Museum in Bordeaux und konzipierte zudem Flagshipstores für mehrere Luxus-Marken, u. a. für Ives Saint Laurent.  

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Im Jahr 1997 verkaufte sie alle Anteile an ihrem Lieblingsprojekt ›Ecart International‹, was vermutlich schwer fiel, weil unter dieser Flagge auch ihre eigenen Designs und sehr seltene Objekte von zeitgenössischen Designer produziert wurden. Aber gut, so blieb einfach mehr Zeit für andere Jobs. ›Ecart‹ allerdings verschwand ohne ihre geniale Hand in der Versenkung. 

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Ob die Firma in den nächsten Jahren nur vor sich hin dümpelte oder sogar Konkurs ging, weiß keiner so genau. 2011 jedenfalls erwarb Pascal Lapeyre das Label – mitsamt allen Designs und schlummernden Produktionsrechten. Ein Glücksfall, wie sich prompt herausstellen sollte. Denn hinter Lapeyre steht die französische Fabrikation ›d'Argentat‹, die bereits unter Madame Putman für die traditionell-kunstvolle Herstellung vieler Kollektionsstücke verantwortlich zeichnete.

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Und so fügt sich nun – endlich, endlich, endlich – wieder alles zusammen. Ein Gespür für das präzise Handwerk, das hinter diesen Vorzeigestücken der Moderne stehen. Nur auf den ersten Blick schnörkellos, sind die Meisterwerke von ›Ecart‹ oft hinterlegt mit feingeistigen Zutaten, beispielsweise Marketerien aus Stroh. »Gutes Design ist durchdacht und einfach,« sagte Putman dazu gerne. »Mich interessieren die Essentials, der Kontext, schlicht das Wesen aller Dinge.«  

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