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Wiener G’schichten

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»Oh, my goodness!« Natürlich war es ein Raunen und Staunen, als sich Jonathan Browning erstmals durch das Archiv seines österreichischen Auftraggebers wühlte. Tausende von Skizzen, Notizen, Modellen und Produktionshinweisen füllen die höchst bemerkenswerte Designgeschichte des Unternehmens J. T. Kalmar. Und nun lautete die Aufgabe, diese Kulturschätze zu heben. 

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Aber nicht, indem die edlen Stücke lediglich eine Neu-Auflage erfahren sollten. In der Josefstadt wurde die Messlatte gleich einmal höher gelegt – durch zeitvernetzende Interpretationen.

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Und hier kommt nun Jonathan Browning ins Spiel. Der US-Designer, der als ausgewiesener Spezialist für Licht-Gestaltungen gilt, wurde als künstlerischer Direktor engagiert. Unter seiner Mitwirkung verdichtete sich die Marschroute des frisch gegründeten Labels ›Kalmar Werkstätten‹. Als Co-Direktoren übernahmen Nicolo Taliani und Garth Roberts die filigrane Entwurfsarbeit. 

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Geballte Man-Power also, um dem Werk eines Julius Theodor Kalmar (1884–1968) gerecht zu werden. Der Erbe einer Bronzewarenfabrik, der sich den Idealen der Wiener Werkstätten zutiefst verschrieben hatte, machte das Familienunternehmen ›J. T. KALMAR‹ bereits in den 30er Jahren weit über die österreichischen Landesgrenzen hinaus berühmt. Für Originalstücke aus seiner Hand werden heuer exorbitante Galeriepreise bezahlte – insbesondere in den Vereinigten Staaten. 

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Spannend in diesem Zusammenhang auch die Lampe ›Billy‹. Sie gehört zu den Ikonen der österreichischen Designgeschichte und entstand in den mittleren 50er Jahren. Die ›Kalmar Werkstätten‹ liefern diese Tisch- oder Bodenlampen jetzt gleich in zwei Überarbeitungen – die jüngste (oben im Bild) stammt von der vielfach ausgezeichneten Designerin Ilse Crawford

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Kennzeichnend für Julius Theodor Kalmar war die Suche nach einfachen Formen, die einer Funktion dienen sollten. Für ihn waren Lampen »stumme Diener«, die vor allem gutes Licht zu versprühen hatten. Was nicht in diese Kategorie fiel, ließ er weg. Ganz im Zeitgeist der Moderne verfolgte er die Zweckform; die damals vorherrschende Zierform erachtete er als überholt. 

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Bis hin zu den Lampen-Namen hat der einstige Firmengründer den Gedanken der Reduktion ausgebaut – manchmal sogar ein bisschen wienerisch-verschmitzt. Deshalb finden sich in der Kollektion der Österreicher so spröde Bezeichnungen wie etwa: Zweig, Posthorn, Dreistelz, Kilo oder Dornenstab. Oben: die Pendelleuchte ›Fliegenbein‹, die auf einem Entwurf von 1957 basiert. Für die gleichnamige Stehleuchte erhielten die Werkstätten den German Design Award 2016.

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Und ›Werkstätten‹, das ist bei Kalmar durchaus wörtlich zu nehmen. So wird die sechs-armige Pendelleuchte ›Admont‹, der eine Skizze aus den frühen 30er Jahren zugrunde liegt, in reiner Handarbeit und vorzugsweise aus geöltem Rosenholz, geschwärzter Bronze sowie Naturseide gefertigt. Getreu einem Leitsatz des Wiener Werkbunds: »Lieber zehn Tage an einem Gegenstand arbeiten, als zehn Gegenstände an einem Tag zu produzieren.« Weiteren Informationen: hier

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