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It's de Gournay

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Husch, husch. Natürlich mutet es archaisch an, wenn in unserer schnelllebigen und von eiligen Päckchen durchzogenen Welt die Bestellung einer Tapete viele, lange Monate dauern kann. 

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Aber so ist es – zumindest bei ›de Gournay‹. Denn die handbemalten Stücke der englischen Nobel-Firma entsteht in penibel-luxuriöser Maßarbeit. Jeder Fisch – durch den Pinsel eines Meisters entworfen, durch weitere Hände dupliziert und millimetergenau auf die jeweilige Basis aufgebracht. Seide dient häufig als Träger. Oder auch indische sowie französische Papiere. 

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Fast schon hatte man vergessen, von welcher Magie solche Wandkleider sein können. Sie berauschten das Europa des 18. sowie 19. Jahrhunderts, dann jedoch – mit dem Verschwinden von Königshöfen und alten Handelsdynastien – geriet auch die Chinoiserie aus der Mode. 

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Und so staunt man doch, dass diese ehrwürdige Kunst quasi im Alleingang von einem jungen Wirtschaftsfachmann wiederbelebt wurde. Das war im Jahr 1986 – und zwar in London. 

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Claud Cecil Gurney stieß auf das edle Handwerk, nachdem er für die Instandsetzung einer antiken Tapete nirgendwo in Europa eine gesicherte Anlaufstelle finden konnte. Er bereiste Asien und fand heraus, dass die alten Traditionen höchst lebendig waren. Vor allem in der Provinz ›Guangdong‹, in der sich auch Hongkong befindet. Hunderte von Künstlern saßen dort in den Fabriken und malten Vögel, Drachen und Berge – meistens zur Diviseneinnahme. 

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Und trotzdem war es für C. C. Gurney nicht einfach, das kommunistische China von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Der Jungunternehmer gehörte zu den ersten Privatpersonen überhaupt, die sich in diesen Markt wagten. Aber nicht, um dort möglichst billig zu produzieren. Sondern ganz im Gegenteil. Um eine jahrhundertealte Luxus-Ware erneut zu erschließen. 

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Bei 700 bis 1.500 Euro liegt der Preis für eine Tapetenbahn, die ca. einen Meter in der Breite umfasst. Die Höhe der Tapete richtet sich nach den Räumen, denn jedes Stück ist ein Unikat, das für den Auftraggeber erdacht und angefertigt wird. Es gibt Grundmuster und historische Originale, an denen man sich orientieren kann. Alles andere ist eine Frage spezifischer Vorlieben – oder genauer gesagt, des Wohlgefühls. Ganz so, wie es unter Ming-Kaisern einmal war. 

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Denn im alten China galten bemalte Papierwände ebenso als wissenschaftliche wie auch als spirituelle und philosophische Kunst. Die Natur wurden von den Meistern studiert und in möglichst realistischen Abbildungen wiedergegeben. In einer Art Surround-View ließ sich die Harmonie von Landschaften, die Bedeutung von Ereignisse, Tieren und Pflanzen in die eigenen vier Wände holen. Dekorativen Charakter erhielten Tapeten erst mit der Kolonialisierung. 

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Und nun, ein paar Jahrhunderte später, kehrt ›de Gournay‹ zu den genialen Wurzeln dieser Tapetenmalerei zurück. Hier brillieren Kraniche und Pfauen, Kirschbäume und Schwärme von Fischen, dazu monumentale Szenen mit Weisheiten, Sagen und der Allgegenwart der Natur. 

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Eigentlich sind dies keine Tapeten, es sind Resonanzböden. Bis zu 75 oder sogar 100 Stunden kann die Herstellung allein einer Papier- oder Seidenbahn verschlingen. Und in jeder neuen Kreation spiegelt sich die Seele des Malers, die Erfahrung der chinesischen Werkstatt, aber auch das Wissen um Kulturen und den Einsatz traditioneller Materialien. Kurz: Haut Tapeterie

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